Von:
Gabriele Pace

e-flughafen.de

Eine Menschentraube vor einer milchigen Glastür: Männer, Frauen, Kinder blicken gebannt auf sie. Sie öffnet sich in unregelmäßigen Abständen und spuckt Menschen aus. Menschen mit viel Gepäck, Business-Reisende. Und dann: Wiedersehensfreude. Erleichterung über die gesunde Rückkehr oder eine gelungene Reise.

Eine Situation, wie sie täglich hundertfach am Flughafen München passiert. Menschlich, lebendig, voller Glück. Ab und zu gibt es auch Tränen, Abschiede für immer, Reisen ohne Wiederkehr. 34 Millionen Passagiere nutzen jährlich den Flughafen im Erdinger Moos, Tendenz steigend. Wir, der kirchliche Dienst am Flughafen München, sind für diese Menschen da. Wir sind eine ökumenische Dienststelle, eine kleine, aber schlagkräftige Truppe: Zwei Pfarrer, katholisch und evangelisch, drei Sozialpädagogen und drei Assistentinnen.

Wir helfen gestrandeten Passagieren in Notfällen, wenn die Fluggesellschaften nicht weiter wissen. Das kann im schlimmsten Fall die Betreuung bei einem Todesfall sein oder ein Evakuierungsflug aus einem Krisengebiet. Die Angehörigen sind oft auf sich selbst gestellt, sie müssen kurzfristig Entscheidungen von großer Tragweite treffen. Sie stehen emotional unter Strom. Wir stehen ihnen bei, geben einen schützenden Rahmen, vermitteln Sicherheit, sind ortskundig und stabilisieren.

Nahrung für die Seele sind unsere Gottesdienste. Außerdem bieten wir an jedem Werktag ein ökumenisches Mittagsgebet an, zu dem über den Flughafen-Lautsprecher eingeladen wird. Selbst im Wirtschaftsunternehmen Flughafen geht nichts ohne Gottes Segen, bei Eröffnungen oder Einweihungsfeiern sind wir Pfarrer gern gesehene Gäste. Die Menschen, die im Flughafen arbeiten, suchen den Kontakt zu uns Seelsorgen, in persönlichen oder betrieblichen Krisen, als unabhängige Vertraute. Manche wünschen sich auch zu besonderen Anlässen Gottesdienste: Betriebs-, Einweihungs-, Weihnachtsfeiern, Todesfälle von Kollegen. Die Anzahl der Anfragen überrascht uns immer wieder. Wir feiern diese Gottesdienste gerne, können uns so Freud und Leid anhören, den Arbeitsalltag und die Sorgen teilen.

Jeder Flughafen hat auch seine dunklen Ecken. Da sind die geduldeten Obdachlosen und die Menschen, die nicht freiwillig fliegen. Sie werden euphemistisch „Rückzuführende“ genannt. Menschen, denen durch die erzwungene Rückkehr ein Lebenstraum auf ein besseres oder friedlicheres Leben zerplatzt. Viele werden in eine ungewisse Zukunft, ja vielleicht sogar in lebensbedrohliche Situationen zurückgestoßen. Unsere Sozialarbeiter begleiten diese Menschen in den letzten Stunden am Flughafen. Das ist ihr tägliches – ein oft sehr hartes -Brot.

„Ist das nicht furchtbar, hier zu arbeiten?“, werde ich öfter gefragt. Nein. Die Vielfalt der Aufgaben macht diese Arbeit so interessant , vor allem die Begegnung mit ganz unterschiedlichen Menschen. Jeder Tag ist eine neue Herausforderung. Es gibt Schönes und Schweres, Leichtes und Trauriges. Ich weiß nie, was der nächste Tag bringt. Wir sind bereit, uns einzustellen auf das, was auf uns zukommt und lassen uns überraschen.

Und es gibt genug Menschen, die dieses kirchliche Angebot nutzen, nicht nur, wenn sie uns brauchen, sondern gerade dann, wenn sie sich in die Ruhe und Stille der Flughafenkapellen zurückziehen. Sie zünden Kerzen an, tragen Gebete in die aufliegenden Bücher ein, sind einfach da und geben so Gott auf ihrer Lebens-Reise die Ehre.